Erklär mal!
Warum fluchen wir so gern?
Donnerstag, 15.07.2010 16:00 Uhr
In den USA mussten Radio und Fernsehsender für Flüche bisher hohe Strafen zahlen. Dabei sagen Forscher, dass Fluchen gut tut.
Wenn man sich den Zeh wieder mal am Tischbein gestoßen hat, der Bis einem vor der Nase wegfährt oder der Supermarkt schon geschlossen hat, dann ist einem manchmal zum Fluchen zumute.
Bei uns im Radio bei LILIPUZ oder im KIRAKA, da fluchen wir besser nicht – gerade die erwachsenen Hörer mögen das nicht gern. In den USA werden Schimpfwörter im Radio und Fernsehen überpiepst. Klar, dass dann trotzdem jeder weiß, dass grade böse geflucht wurde.
Fluchen gehört zur Meinungsfreiheit
Bisher mussten die Radio- und Fernsehsender bei Flüchen auch richtig viel Strafe zahlen – bis zu 325 000 Dollar. Ein Gericht hat aber nun gesagt, dass dieses Fluchverbot nicht in Ordnung ist - weil jeder das Recht hat, seine Meinung zu sagen - und dass nicht immer nur mit hübschen, netten Worten. Aber warum machen Menschen das eigentlich so gerne mit dem Fluchen?
Ein Grund dafür, dass uns die bösen Wörter und Kraftausdrücke manchmal einfach so aus dem Mund purzeln, ist eigentlich ganz einfach: Es gehört sich nicht.
Zwar wird man nicht eingesperrt, wenn man mal "Verdammter Mist" sagt, aber eigentlich wissen wir alle: Scheiße sagt man nicht - das wurde uns so beigebracht. Aber gerade die Sachen, die verboten sind, die will man ja ganz gerne mal machen. Und die merkt man sich auch.

- Sportler lassen auch gern ihre Gefühle raus - mal mit Jubel, mal mit Flüchen. Hier war Olli Kahn 2004 sauer über ein verlorenes Fußballspiel.
Frust rauslassen
Amerikanische Forscher haben Leuten viele Wörter vorgelesen – manche waren Schimpfwörter, andere ganz normale und harmlose. Am Ende hatten sich die Leute die bösen Wörter besser gemerkt als normalen – denn Schimpfwörter sind viel spannender und ungewöhnlicher als Begriffe wie "Milch" oder "Blume".
Außerdem: Fluchen soll uns sogar gut tun, meinen die Wissenschaftler. Wer gestresst ist, wer sich tierisch über jemanden oder irgendetwas geärgert hat und ne richtige Wut im Bauch hat, der muss das auch einfach mal rauslassen – um sich danach wieder entspannter zu fühlen.
Und das geht besser mit "So eine blöde Kacke" als mit "Och, das fand ich jetzt aber nicht ganz so schön". Nicht nur Stress und Ärger, sondern auch Schmerzen sollen dank des Fluchens leichter zu ertragen sein. Das behaupten britische Forscher.
Gegen den Schmerz
Sie hatten 2009 rund 70 Leute gebeten, ihre Hände in eiskaltes Wasser zu halten. Die eine Hälfte durfte dabei fluchen, die andere nicht. Und siehe da: Wer schimpfen durfte, hielt länger durch im schmerzhaft kalten Wasser.
Fluchen gegen Schmerz und Stress also – ob man aber wirklich jedes Schimpfwort unbedingt benutzen muss, das sei mal dahin gestellt.

- Viele Deutsche fluchen auch gerne im Auto - über Fußgänger, Radfahrer, andere Autofahrer oder rote Ampeln zum Beispiel.












