Geschichte
1. August 1998: Rechtschreibreform in Deutschland
Wer vor zehn Jahren frisch in die Schule kam, hat nichts davon gemerkt: Im Jahr 1998 haben sich einige Rechtschreibregeln geändert.
So schrieb man davor z.B. das Wort "Kuß" mit ß, und jetzt schreibt man es "Kuss" mit Doppel-S. Denn das Wort "Kuss" hat ein kurzes u, dagegen hat "Floß" ein langes o und wird deshalb immer noch mit ß geschrieben.
Wer damals schon länger in der Schule war - oder besser gesagt: schon länger NICHT mehr in der Schule war - musste sich also an viele neue Schreibweisen gewöhnen. Dazu gehörten auch die Lehrerinnen und Lehrer.
Neue Regeln für unsere Sprache
Wenn sich Gesetze - oder eben Regeln - ändern, spricht man von einer Reform. Die Rechtschreibreform von 1998 war ein langer Prozess. Die Gründe waren unterschiedlich:
Manche sagten, die Regeln müssten logischer werden, andere meinten, die Rechtschreibung sollte einfacher werden, so dass zum Beispiel ein Fremdwort wie "Portemonnaie" jetzt "Portmonee" geschrieben wird.
Alles einfacher?
Ein weiterer Grund für die Rechtschreibreform war, dass die Leute schon von alleine angefangen haben, ihre Rechtschreibung zu verändern.
Viele haben zum Beispiel Wörter, in denen ein ph vorkam, mit f geschrieben - weil das einfacher war. So schreibt heute kaum mehr einer "Mikrophon". Die meisten schreiben "Mikrofon".
Kritik und Proteste

- Demo gegen die Rechtschreibreform
Andere wollten bei den alten Regeln bleiben, an die sie sich jahrelang gewöhnt hatten. So schreiben jetzt noch viele Leute bestimmte Wörter nach der alten Schreibweise und andere nach der neuen. Nicht jeder will Mikrophon mit f schreiben, und nicht jedem schmeckt der Thunfisch ohne h.
Manche große Zeitungen protestierten gegen die Rechtschreibreform und wollten sich nicht daran halten. Lehrer und Elternverbände wehrten sich ebenfalls. So dauerte es mehrere Jahre, bis man sich auf neue, feste Regeln einigen konnte.
Die Reform von 1998 war übrigens nicht die erste. Vor ungefähr 130 Jahren bestand Deutschland noch aus vielen verschiedenen "Völkern", die zwar alle deutsch sprachen, aber jeder schrieb so, wie er es für richtig hielt - in Bayern anders als in Sachsen oder Preußen, in dieser Schule anders als in jener, und selbst in den Büchern wurden die Wörter nicht immer gleich geschrieben.
Ein Mann gegen das Chaos
Konrad Duden war Gymnasiallehrer, und er fand dieses Chaos unerträglich. Deshalb beschloss er, ein Wörterbuch für ganz Deutschland herauszugeben.
Nach diesem ersten Duden hat es aber immer wieder Veränderungen gegeben, denn die Rechtschreibung ist nicht ein festes Gesetz, das sich nie mehr ändern lässt.
Auch die neuen Regeln von 1998 wurden immer wieder diskutiert, umgeworfen und neu aufgestellt. Dadurch vergingen Jahre, in denen die Mitarbeiter beim Duden immer wieder neue Wörterbücher herausgeben mussten.
Der neue Duden
Im Jahr 2006 - also acht Jahre nach der Rechtschreibreform - war es dann endlich soweit: Die 24. Auflage des Duden ist jetzt gültig.
Wer den neuen Duden hat, kann nichts falsch machen - egal, ob er gerade erst in die Schule kommt oder schon seit 60 Jahren keine Schule mehr von innen gesehen hat. Und dabei bleibt es erstmal. Bis zur nächsten Reform.
Regelmäßig montags, dienstags oder mittwochs erzählen wir in der LILIPUZ-Sendung Geschichten über Geschichte.













