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1908: Das erste Auto geht in Serienproduktion

Zeitkreisel

1908: Das erste Auto geht in Serienproduktion

Die ersten Autos vor über 100 Jahren konnte sich kaum jemand leisten. Mit dem "Modell T" von Ford sollte das ab 1908 anders werden.

Bild vergrößernFließband in Kölner Fordwerk 1931; Rechte: dpa
Fließband in Kölner Ford-Fabrik 1927.

Im Jahr 1908 konnte man in Deutschland gemütlich auf die andere Straßenseite hinüber spazieren, denn es war nicht viel los. Autos konnte sich damals kaum jemand leisten.

Üblich waren damals eher Kutschen. Und da brauchte man beim Überqueren der Straße auch nicht sonderlich aufmerksam nach rechts und links zu schauen - das Pferdegetrappel auf dem Kopfsteinpflaster war ja nicht zu überhören.

Das war in den USA nicht anders. Bis zum Jahr 1908 konnte auch da kaum jemand das Geld für ein Auto aufbringen.

Henry Ford machte Autos bezahlbar

Bild vergrößernPortrait Henry Ford; Rechte: dpa
Henry Ford

Das zu ändern, war der große Traum des Unternehmers Henry Ford. Beruflich hatte er immer schon mit der Konstruktion von Motoren zu tun und daher wusste er bald auch, wie er seinen Traum verwirklichen konnte. Er wollte alle Autos genau gleich konstruieren. So meinte er, die Kosten senken und außerdem schneller und damit mehr Autos produzieren zu können.

Henry Ford erfand das "Modell-T" und stellte es stolz der Öffentlichkeit vor. Der größte Vorteil: Es war bezahlbar. Wie hat Henry Ford das hingekriegt?


Schritt für Schritt zum fertigen Wagen

Ford-Fabrik 1927: Modell A wird zusammengebaut; Rechte: dpa
Fließbandfertigung eines Ford Modell A in Amerika.

In der Fabrik machten alle Arbeiter nicht mehr alles, sondern sie spezialisierten sich: Einer montierte nur noch die Sitze und der nächste zog beispielsweise immer nur die Schrauben an. So entstand nach und nach das fertige Auto, ohne dass jeder Arbeiter wissen musste, wie das Ganze funktioniert.

Es war schneller fertig und damit auch billiger: Der Preis für das Auto, das auch liebevoll Tin Lizzy genannt wurde, betrug damals 850 Dollar. Das war ungefähr die Hälfte dessen, was ein Arbeiter damals im Jahr verdiente. So viel Geld konnte eine Durchschnittsfamilie aufbringen.


Montage am Fließband

Bild vergrößernFleischfabrik: Rinderhälften am Fließband; Rechte: dpa
In der Fleischfabrik: Rinderhälften am Fließband

Aber es sollte noch schneller und noch billiger gehen: mit dem Fließband.

Das hatte Ford sich in einer Fleischwarenfabrik abgeguckt: Dort wurden Rinder- und Schweinehälften per Kettenbahn von einem Arbeitsplatz zum nächsten weitertransportiert.

Die Idee, das Fließband auch bei der Herstellung von Autos zu verwenden, ließ er im Jahr 1913 umsetzen. Und siehe da: Das Auto wurde tatsächlich noch schneller fertig und kostete so kaum noch die Hälfte, nämlich nur noch 350 Dollar.


Arbeiter in einer Ford-Fabrik 1911; Rechte: dpa
Hier setzen angelernte Arbeiter am Montageband bei Ford Schwungrad- Magnetzünder für das "Modell T" zusammen. Der Zeitaufwand für die Montage konnte durch das Fließband von 20 auf fünf Minuten verringert werden.

Die amerikanische Methode

Ford-Modell T als Modell im Technikmuseum Speyer; Rechte: dpa
Die Tin Lizzy als Modell - das Ford-"Modell T" im Museum.

Die Fließbandarbeit wurde in der ganzen Welt zum Symbol für die amerikanische Methode, etwas herzustellen. Und weil sie so erfolgreich war, wurde sie bald überall in den Fabriken eingesetzt. Doch nicht alle Arbeiter waren mit der Fließbandmethode zufrieden. Viele empfanden die Tätigkeit als sehr langweilig.

Zwar waren 1908 viele Menschen noch glücklich darüber, einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz zu haben. Aber als Fabrikbesitzer ihre Fließbänder immer schneller laufen ließen, wurde der Job immer anstrengender für die Menschen. Das führte dazu, dass sie nicht mehr so gut arbeiteten.

Inzwischen hat man die Fließbandarbeit in vielen Fabriken wieder abgeschafft. Oft übernehmen jetzt Roboter besonders eintönige Arbeitsschritte, gesteuert von Computern.


Bloß keine Kritik!

Henry Ford wies jede Kritik an der Fließbandarbeit stets als unbegründet zurück. Er war stolz auf sein Lebenswerk. Unter anderem hatte er das am meisten verkaufte Auto der Welt gebaut. Seine Tin-Lizzy war bis zur Einstellung der Produktion insgesamt 15 Millionen Mal vom Band gerollt.

Erst 1972 wurde der Rekord gebrochen, als der VW-Käfer auf den Markt kam. Das erlebte Henry Ford aber nicht mehr, er starb im Jahr 1947.


1972: Jubiläums-VW-Käfer läuft blumengeschmückt vom Fließband; Rechte: dpa
Hier läuft im Jahr 1972 der VW-Käfer mit der Produktionsnummer 15007034 im Wolfsburger VW-Werk vom Band. Damit hat er das Ford-Modell "Tin Lizzy" übertrumpft, dessen Serienproduktion bei 15007033 abgebrochen wurde.

Die zeitgeschichtliche Reihe "Zeitkreisel" senden wir jeden Montag bei LILIPUZ.

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