Zeitkreisel
1918: Die spanische Grippe bricht aus
Husten, Schnupen, Heiserkeit - normalerweise ist eine Erkältung schnell überstanden. Im März 1918 war das anders.
Es ist ganz normal, ab und zu mal Husten zu bekommen. Das ist dann eine Erkältung oder – wenn es schlimmer kommt – eine Grippe. Die fühlt sich ziemlich unangenehm an, aber nach ein paar Tagen im Bett ist sie meistens überstanden. Im Frühjahr 1918 war ganz das anders!
Damals...
...begann eine große, gefährliche Grippe-Epidemie. Das heißt, dass ganz viele Menschen auf einmal krank geworden sind. Die Epidemie hat mit kurzen Pausen bis 1920 fast die ganze Welt erfasst. Sie tötete insgesamt rund 50 Millionen Menschen.
Anders als man vom Namen her denken könnte, kam die Krankheit aber nicht aus Spanien. Sie heißt deshalb "spanische Grippe", weil die Zeitungen dort die Wahrheit über die Krankheit schrieben. In anderen Ländern, zum Beispiel in Amerika oder bei uns in Deutschland, wollte man mit der Wahrheit nicht rausrücken.
Es herrschte Krieg
Viele Länder kämpften damals im Ersten Weltkrieg, und eine Nachricht über so eine Krankheit, die auch die Soldaten schwächte und tötete, galt damals als geheim. Deshalb berichteten die Zeitungen erst gar nicht und dann lange Zeit so, als wäre die spanische Grippe ganz harmlos.
Harmlos war die spanische Grippe aber ganz und gar nicht!
Der Auslöser war ein Virus, ein winziger Krankheitserreger, der besonders aggressiv war. Der Erreger wurde von Mensch zu Mensch übertragen – beim Husten oder Niesen zum Beispiel.
Wo die Krankheit zuerst ausgebrochen ist, weiß man bis heute nicht genau. Wissenschaftler vermuten aber, dass sie aus den Vereinigten Staaten von Amerika kam – und von da aus um die Welt ging. Menschen in Europa starben später ebenso wie in Australien, Asien und Afrika. Besonders schlimm wütete die Grippe im Herbst 1918.
Ganze Dörfer hier bei uns wirkten wie ausgestorben, weil alle mit Fieber im Bett lagen. Die Krankenhäuser und Wartezimmer der Ärzte platzen aus allen Nähten. In den Fabriken, bei der Post oder der Eisenbahn konnten viele Menschen nicht zur Arbeit kommen. Und manche Schulen machten wegen der spanischen Grippe ganz zu. Erstaunlich war, dass vor allem junge und kräftige Menschen von dem Virus befallen wurden, krank wurden und starben. Das klingt seltsam, aber die Wissenschaftler meinen, dass die Menschen starben, gerade weil sie so stark waren und ihr Abwehrsystem heftig gegen die Viren kämpfen konnte.
Zwei Jahre nach dem Ausbruch der spanischen Grippe hatte der Spuk dann ein Ende. Die Menschen waren entweder an der Krankheit gestorben oder die hatten die Krankheit durchgemacht und waren jetzt gegen sie geschützt. Die große Epidemie war vorbei.
Heute...
...wissen die Forscher, dass das Virus der spanischen Grippe eigentlich ein Vogelgrippevirus war, der sich verändert hat und deshalb sehr gefährlich wurde.
Deshalb werden Viren, die sich neu entwickeln, heute genau beobachtet. Fachleute meinen deshalb, dass heute gefährliche Viren viel früher erkannt würden und dass die Medizin deshalb viel eher eingreifen könnte.
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