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1928: Der Eiserne Gustav protestiert gegen das Droschkensterben

Geschichte

1928: Der Eiserne Gustav protestiert gegen das Droschkensterben

Wer heute schnell irgendwohin will und kein Auto hat, der bestellt sich ein Taxi. Ganz einfach. Vor 80 Jahren war das alles anders...

Bild vergrößernTaxischild; Rechte: dpa

Wer damals in den Städten von einem Platz zum anderen wollte, der rief sich eine Droschke. Auf den Straßen Berlins wimmelte es von solchen Pferdekutschen. Doch dann setzten sich die neu erfundenen Autos auch als Taxis immer mehr durch und verdrängten die Pferde.

Der Berliner Kutscher Gustav Hartmann beschloss deshalb vor 80 Jahren, gegen das "Droschkensterben" zu  protestieren: Im April 1928 brach er auf zu einer Kutschfahrt nach Paris - eine Fahrt, die viel Aufmerksamkeit erregen sollte.

Kutsche in Weimar; Rechte: dpa
In dieser Kutsche fahren Besucher durch Weimar

Protest-Kutschfahrt

Gustav hatte seit vielen Jahren ein Fuhrunternehmen am Berliner Wannsee. Weil er noch bis spät in die Nacht am Bahnhof Wannsee auf die Kunden aus dem letzten Zug wartete, hatten ihm seine Kollegen den Spitznamen "Eiserner Gustav" gegeben.

Es ärgerte ihn sehr, dass immer mehr Autos in Berlin fuhren und die Kutschen verschwanden. Als 1927 eine Französin von Budapest nach Paris ritt, kam er auf die Idee, es ihr nachzumachen: Ein Jahr später spannte er seinen alten Kläpper Grasmus ein und fuhr los - extra am 2. April, damit man seine Fahrt nicht für einen Aprilscherz hielt.


Das Ziel: die französische Hauptstadt Paris

Luftaufnahme von Paris; Rechte: dpa

Es war eine mühsame und beschwerliche Reise, bei Wind und Wetter auf dem Kutschbock: 63 Tage brauchte der alte Gustav für die 1.000 Kilometer auf der Bundesstraße 1.

In der Droschke saß der junge Reporter Hans-Hermann Theobald, der regelmäßig Berichte über die Fahrt schrieb. So wurde Gustav immer bekannter.

Bald standen überall Neugierige am Straßenrand und winkten ihm zu. Gustav verkaufte Postkarten und gab Autogramme - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich.


Jubel in Paris

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Am 4. Juni 1928 kam er wie geplant in Paris an: an seinem 69. Geburtstag. In der französischen Hauptstadt wurde er mit großem Jubel empfanden.

Er bekam eine riesige Geburtstagstorte und wurde Ehrenmitglied der Pariser Droschkenfahrer - auch wenn der das Aussterben der Pferdedroschken natürlich nicht verhindern konnte.


Denkmal für den Eisernen Gustav; Rechte: dpa
Heute erinnert ein Denkmal an den "Eisernen Gustav"

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