Geschichte
22. Dezember 1938: Die Wiederentdeckung der Quastenflosser
Vor 70 Jahren wurde ein Tier wieder entdeckt, das lange Zeit als ausgestorben galt.
Es war ein heißer Tag kurz vor Weihnachten in der südafrikanischen Hafenstadt East London. Wie so oft stand Marjorie Courtenay-Latimer an Deck eines Schiffes im Hafen und schaute den Haufen Fische an, den der Kapitän und seine Leute mit an Land gebracht hatten.
Die junge Frau arbeitete für das städtische Meeresmuseum und war immer auf der Suche nach interessanten Tieren für ihre Ausstellung. An diesem Vormittag ließ eine blaue Flosse ihr Herz höher schlagen. Sie entdeckte einen anderthalb Meter langen Fisch, blau gefärbt mit weißen Flecken. Den hatte sie noch nie zuvor gesehen!

- Am Strand von East London in Südafrika entdeckte Marjorie Courtenay-Latimer den außergewöhnlichen Fisch.
Marjorie Courtenay-Latimer ahnte damals schon, dass dieser Fisch etwas ganz Besonderes war. Der Wissenschaftler J.L.B. Smith, der sich sehr gut mit Fischen auskannte, war dann der erste, der den ungewöhnlichen Fang untersuchte.
Smith fand heraus, dass es ein Quastenflosser war - ein Fisch, den Forscher von Fossilien her kannten, von dem aber alle dachten, dass er vor Millionen Jahren ausgestorben war.
Dass diese Fisch-Art offenbar noch immer lebte und sich kaum verändert hatte, war eine Sensation, die um die Welt ging. Aber: War das nur eine Ausnahme?

- Der Quastenflosser. Eindeutig ein Fall fürs Museum!
Ein Ausnahmefund?

- Wer weiß, was sich hier unten noch so tummelt...
Um das herauszubekommen, suchten Forscher fieberhaft nach weiteren Quastenflossern, aber erst 14 Jahre später wurde ein zweiter gefangen - Tausende von Kilometern von Südafrika entfernt. Heute weiß man, dass in verschiedenen Gegenden der Welt Quastenflosser vorkommen. Alle sind sie lebende Fossilien, die es schon zu Zeiten der Dinosaurier gegeben hat.
Der Quastenflosser ist außerdem ein ganz entfernter Verwandter von uns. Die Vorfahren des heutigen Quastenflossers waren die Tiere, die vor Millionen Jahren aus dem Meer an Land gingen, um da zu leben. Mit ihren kräftigen Flossen konnten sie wahrscheinlich im flachen Wasser über den Boden laufen. Das brachte Vorteile für die Art - und über viele Generationen hat sich diese Fähigkeit immer weiter verbessert. Irgendwann konnten sie dann aus dem Wasser an Land gehen, wo ihre Überlebenschancen besser waren.
Lange beschäftigten sich die Wissenschaftler mit der Frage, ob die heutigen Quastenflosser immer noch über den Boden laufen. Das zu untersuchen, war gar nicht so leicht. Es dauerte lange, Quastenflosser im Meer zu finden, denn sie sind in der Nacht aktiv und verstecken sich tagsüber in Höhlen.
Dem deutschen Wissenschaftler Hans Fricke und seinen Kollegen gelang es dann aber eines Tages mit einem Tauchboot, die seltenen Quastenflosser zu beobachten und zu filmen. Sie schwimmen - und für viele Menschen sind diese "Dinosaurier des Meeres" sehr elegante, anmutige Tiere.
Regelmäßig montags, dienstags oder mittwochs erzählen wir in der LILIPUZ-Sendung Geschichten über Geschichte.







