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Die Sage vom Rattenfänger von Hameln ist 725 Jahre alt

Geschichte

Die Sage vom Rattenfänger von Hameln ist 725 Jahre alt

Die Erzählung ist so spannend wie ein Krimi. Der Tatort: Hameln, eine Stadt in Niedersachsen. Die Tat: 130 Kinder entführt! Die Tatwaffe: Eine verzauberte Flöte!

Bild vergrößernPerson, die den Rattenfänger von Halen darstellt. Er trägt bunte Kleider und spielt Flöte; Rechte:dpa

Am 26.6.1284 soll ein bunt gekleideter Mann nach Hameln gekommen sein und alle Kinder der Stadt entführt haben.

Warum? Er wollte sich rächen. Zuvor hatte der Mann nämlich die Bürger von einer Rattenplage befreit, indem er die Tiere mit einer wundersamen Flöte anlockte und im Fluss ertränkte. Trotzdem gaben die Bürger dem Rattenfänger seinen versprochenen Lohn nicht.

Daraufhin wurde der Mann so wütend, dass er mit seiner verzauberten Flöte alle Kinder aus der Stadt hinter einen Berg lockte. Sie blieben für immer verschwunden.

Hausratte. Sie steht auf ihren Hinterbeinen; Rechte: dpa


Was ist wahr an der Geschichte?

Das Besondere an Sagen ist: Sie sind zum Teil erfunden - aber sie haben immer auch einen wahren Kern. Gab es ihn also wirklich, den Rattenfänger?

Forscher streiten darüber. Viele sind der Meinung, dass die Kinder von Hameln in Wirklichkeit gar keine Kinder waren, sondern junge Männer. Diese jungen Männer wurden auch nicht entführt, sondern haben die Stadt freiwillig verlassen. Sie wurden von reichen Fürsten überredet nach Osten zu ziehen, um dort neue Siedlungen aufzubauen.

Über die Jahrhunderte hat sich die Geschichte dann immer weiter verändert. Kennst du das? Wenn man sich eine Geschichte unter Freunden immer weiter erzählt, dann kann es schon mal vorkommen, dass man Teile vergisst - und neue hinzu erfindet. So ist das bei der Sage vom Rattenfänger auch passiert.


Was ist erfunden?

Künstliche Ratten am Wasser. Installation auf der Bundesgartenschau in Oldenburg; Rechte: dpa
In Wirklichkeit sind Ratten prima Schwimmer (diese nicht - sie sind aus Plastik...)

Die Rattenplage in Hameln gab es  tatsächlich. Nur wurde sie mit Sicherheit anders bekämpft. Denn Ratten kann man gar nicht ertränken - sie sind tolle Schwimmer und können sogar tauchen.


Bild vergrößernFransenfledermaus mit spitzen Ohren und einem fransigem Fell. Sie reisst das Maul weit auf; Rechte: dpa
"Ich höre rattenstark!"

Auch die Ohren von Ratten sind besonders gut. Ähnlich wie Fledermäuse hören sie vor allem die hohen Töne, wie sie aus einer Flöte kommen. Aber dass Ratten deswegen musikalisch sind, glauben Forscher nicht. Bislang hat man noch kein Instrument gefunden, das die Tiere anlockt.


Mit den entführten Kindern hatte die Rattenplage in Hameln übrigens auch nichts zu tun. Weil es aber so gut passte, haben die Menschen über die Jahrhunderte einfach beide Geschichten zu einer verknüpft. Sogar in Asien und Amerika ist sie bekannt!


Großes Geburtstagsfest in Hameln

Auch heute kann man in Hameln noch den Spuren des Rattenfängers folgen.

Im Rattenfängerhaus hängt noch eine Originalschrift aus der Zeit, als die Kinder entführt worden.

Überall kann man Brot und Seife in Rattenform kaufen. Und zum Geburtstag der Sage spielen 725 Kinder (also so viele Kinder wie die Sage alt wird) bei einem großen Theaterstück mit.



Regelmäßig montags, dienstags oder mittwochs erzählen wir in der LILIPUZ-Sendung Geschichten über Geschichte.

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