Geschichte
Vor 500 Jahren: In Europa wird die Zahnbürste bekannt
Zähne putzen ist wichtig, das wusste man schon im alten China. Von dort kam vor 500 Jahren die Zahnbürste zu uns.
Eltern nerven manchmal mit der Frage: "Hast du heute schon die Zähne geputzt?" Dabei würden auch viele Erwachsene am liebsten darauf verzichten. Zähneputzen ist manchmal lästig, aber auch sehr wichtig für gesunde Zähne.
Das wussten schon die alten Ägypter. Ausgrabungen zeigen, dass die alten Ägypter vor rund 3000 Jahren die ersten waren, die zur Zahnpflege ein Werkzeug benutzten. Allerdings keine Zahnbürste, sondern ein Kaustöckchen. Das war ein dünnes Stück Ast, am Ende etwas ausgefranst, und darauf kauten sie herum.
Der lange Weg zur Plastik-Zahnbürste
Vor rund 500 wurde eine Art Zahnbürste aus China bekannt. Die Chinesen achteten schon sehr früh auf Gesundheit und Sauberkeit. Damals benutzten sie eine Art Pinsel zum Zähneputzen. Für die Borsten nahmen sie Nackenhaare von Schweinen. Diese sehr festen Borsten waren an einem Stiel aus Bambus oder Knochen befestigt.
Kaufleute brachten diese Art Zahnbürste per Schiff nach Europa. Und einige Menschen probierten sie aus. Allerdings empfanden viele die Schweineborsten als zu hart. Außerdem konnten sich nur die Reichen solch eine Zahnbürste leisten.
Lieber nicht zum Zahnreißer!
Die meisten putzten die Zähne gar nicht und litten oft an grässlichen Zahnschmerzen. Zahnärzte gab es damals noch nicht. Die Leute mussten zum Friseur oder auf den Jahrmarkt gehen. Dort arbeiteten so genannte Zahnreißer. Sie rissen faule Zähne mit großen Zangen heraus - ohne Betäubung.
Der Engländer William Addis gründete 1780 die erste Firma, die Zahnbürsten aus Kuhknochen und -haaren herstellte. Die Haare waren weicher als die Schweineborsten. Später verwendet man Pferdehaar.
Zahnbürsten auf dem Vormarsch
Und so setzte sich die Zahnbürste und der Gedanke, dass Zähneputzen wichtig ist, in Europa immer mehr durch.
Um auch Kinder fürs Zähneputzen zu begeistern, gab es in Deutschland die beiden Figuren "Karius und Baktus", die ab 1954 jedes Kindergartenkind kennenlernte. Karius und Baktus waren zwei winzig kleine Bakterien, die es sich in den Zähnen von Max gemütlich gemacht hatten. Und Max bekam höllische Zahnschmerzen. Da half nur eins: Zähne mit der Bürste putzen.
Endlich erfunden: die Nylon-Bürste!
Das konnte man jetzt sehr gut, denn in den 1950er Jahren war der weiche Kunststoff Nylon erfunden worden. Und Borsten aus Nylon eignen sich prima zum Zähne putzen. Darauf können sich Bakterien nicht so gut halten.
Heute gibt es eine riesige Auswahl an Zahnbürsten: interdent, super soft, press control, flexoline, cross aktiv. Gekreuzte Borsten oder V-Borsten. Kurzkopf-, Langkopfbürsten und sogar elektrische Zahnbürsten. Aber welche Zahnbürste ist die beste?
Zahnärzte sagen, die Art der Zahnbürtste sei fast egal: Die Zahnbürste, die benutzt wird, ist die Beste.
Museumsstück
Diese schätzungsweise 250 Jahre alte Zahnbürste gehört zu den ältesten Zahnbürsten Europas.
Das neun Zentimeter lange Zahnputzgerät besteht aus zwei Teilen, dem Borstenkopf und dem Stiel. Das Material ist Schweinsknochen. Anstatt Zahncreme, die erst Anfang des 20. Jahrhunderts aufkam, putzten die Menschen damals mit selbst angerührten Pulvern die Zähne.
Regelmäßig montags, dienstags oder mittwochs erzählen wir in der LILIPUZ-Sendung Geschichten über Geschichte.












